Anselm Feuerbach, Nana, 1861, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud (WRM 2372, Köln) (Foto: © Rheinisches Bildarchiv Köln, 1976/1980, rba_c001304)

Anselm Feuerbach: Nana

Dr. Rosa-Maria Zinken

Wer ist die geheimnisvolle Schöne in Feuerbachs Bild, die den Betrachter nicht ansieht und von der man zunächst nur den Namen kennt: „Nana“? Schon dieser Name deutet darauf hin, dass zwischen Maler und Modell eine vertraute Beziehung bestand. Und tatsächlich ist hier die Geliebte Feuerbachs dargestellt, Anna Risi, die er kennenlernte, während er in Rom lebte und arbeitete, und von der er so fasziniert war, dass er in den sechs Jahren, die sie zusammen waren, 28 Porträts von ihr fertigte.

Anselm Feuerbach, Nana, 1861, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud (WRM 2372, Köln) (Foto: © Rheinisches Bildarchiv Köln, 1976/1980, rba_c001304)

Was macht aber das Besondere an ihrer Erscheinung aus? Dargestellt ist sie hier sitzend, man sieht nur Kopf und Oberkörper. Ihre Kleidung ist zeitlich oder modisch nicht einzuordnen. Man sieht am Hals den weißen Rand ihres Hemdes. Ansonsten hat sie einen rot-bräunlichen Überwurf locker um sich geschlungen, den sie mit der linken Hand vorne leicht rafft. Das erinnert eher an die Antike, an Tunika und Palla. Entsprechend ist auch ihr dunkelbraunes Haar geflochten und aufgesteckt, ähnlich wie bei antiken Skulpturen. Es wird zusätzlich mit einem feinen schwarzen Netz gehalten. Um den Hals schmiegt sich eine dünne goldene Kette, an dem sichtbaren Ohr trägt sie eine große Perle. Um ihr linkes Handgelenk schmiegt sich ein goldener Armreif in Form einer Schlange. Ob das auf ihren Charakter hindeuten soll, bleibt im Ungewissen.

Und das gilt auch für das Besondere dieses Bildes, die Porträtierte wendet sich nämlich mit dem Oberkörper nach rechts, ihr schlanker Hals dreht sich anmutig leicht vom Betrachter weg. Sie tritt ihm nicht entgegen und sieht ihn nicht an. Eine Begegnung ist nicht beabsichtigt. Als Individuum wird sie nicht greifbar.

Und das ist auch wohl so intendiert. Nana dient gleichsam nur der Anschauung. Ihr leicht gesenkter Kopf erscheint im klassischen Profil mit der typischen geraden Nase. Auf diese Weise lässt sich die Schönheit der Porträtierten deutlich herausarbeiten. Sie wird zum an der Antike orientierten Idealbild. Dabei geht es also nicht um die Darstellung ihrer Persönlichkeit, sondern sie ist reines „Anschauungsmaterial“ – ein „Antiporträt“.

 

Bildangabe:
∙ Anselm Feuerbach, Nana, 1861, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud (WRM 2372, Köln) (Foto: © Rheinisches Bildarchiv Köln, 1976/1980, rba_c001304)