Friedrich, Caspar David, Flußufer im Nebel / Elbschiff im Frühnebel, Öl & Leinwand, um 1821 (Köln, Wallraf-Richartz-Museum + Fondation Corboud, WRM 2667, rba_c001552).

Caspar David Friedrich: Der Mystiker mit dem Pinsel

Isabelle Hamm

„Schließe dein leibliches Auge, damit du mit dem geistigen Auge zuerst siehest dein Bild. Dann förder zutage, was du im Dunkeln gesehen, daß es zurückwirke auf andere von außen nach innen.“ – Caspar David Friedrich

Das kleinformatige Bild „Flussufer im Nebel“, das Caspar David Friedrich um 1821 mit Öl auf Leinwand malte, zeigt eine atmosphärisch vernebelte Landschaft. Vom Vordergrund ausgehend gleitet unser Blick über ein in dämmriger Dunkelheit liegendes Rasenstück mit bunten, zierlichen Blumen und Sträuchern in Richtung eines Flussbettes, das sich horizontal vor uns erstreckt. Das Wasser ist kaum zu sehen, so viel Nebel steigt davon empor. Und mittendrin: ein Segelboot mit drei Menschen darauf, das im hellen, dicken Nebel, der es wie Watte umgibt, weder vor noch zurück zu kommen scheint. Im Hintergrund erahnen wir blassblaue Bergketten.

Der deutsche Maler, Grafiker und Zeichner Caspar David Friedrich wurde 1774 als eines von zehn Geschwistern in Greifswald geboren. Schon zur Kinder- und Jugendzeit bekam Friedrich künstlerischen Unterricht. Im Alter von 20 Jahren begann er ein Studium an der Kunstakademie in Kopenhagen, das er nach vier Jahren in Dresden fortsetzte. Schon zu seiner Studienzeit zeichnete sich sein großes Interesse an Landschaftsdarstellungen ab, die er neben Porträts und Szenen mit Figuren anfertigte.

Während Friedrich in Bezug auf Details großen Wert auf eine genaue und naturalistische Wiedergabe der Motive legte, setzte er seine Landschaften aus einzelnen Skizzen zusammen und erschuf dadurch neue Ansichten. Kompositionsprinzipien, die für seine Bilder typisch sind, lassen sich auch bei unserem Flussufer wiederfinden: Im horizontal gegliederten und gestaffelten Bildraum hebt sich der Vordergrund durch die detaillierte Struktur der Gräser und Pflanzen sowie durch den Hell-Dunkel-Kontrast vom hellen, verschwimmenden Mittel- und Hintergrund ab. So wird uns der Blick in die Weite der Landschaft versperrt – wie die Menschen auf dem Boot kommen auch wir nicht vor oder zurück. Das Flussufer scheint nahe und doch erreichen wir es nicht. Wir erahnen die Weite des Flusses und können uns dennoch kein genaues Bild davon machen.

Die Bilder von Caspar David Friedrich lassen sich auf mehrere Arten deuten, biografisch, politisch, religiös, … Sie vereinen darüber hinaus Philosophie und Psychologie und offenbaren uns wundersame Gefühlswelten der Epoche der Romantik.

All diese Aspekte hier auszuführen, würde den Rahmen des Newsletters sprengen. Doch ich möchte Euch abschließend noch erzählen, wieso dieses kleine Gemälde schon immer zu meinen Lieblingsbildern im Wallraf-Richartz-Museum gehörte. Ich bin stets ergriffen von der Melancholie, die es transportiert und habe es für mich persönlich immer gerne als Sinnbild für Reflexion gesehen. Als eine Verbildlichung von einem Moment, in dem man innehält und sich fragt, wo stehe ich gerade und wo will ich hin? In welche Richtung soll es weitergehen? Es gibt mehrere Möglichkeiten, deren Verlauf in der Zukunft ich nicht vorhersagen kann. Aber der Weg ist da und steht mir offen.

Gerade in diesen seltsamen Tagen der „Quarantäne“ gefällt mir das Bild umso mehr, denn für mich spiegelt es gleichermaßen Natursehnsucht und die Ungewissheit der Zukunft – und das, auch wenn die aktuelle Lage natürlich eine schwierige ist, auf eine bezaubernde Art.

Isabelle Hamm (Projektleitung jungekunstfreunde)