Ochtervelt, Jacob, Umtrunk, Öl & Leinwand, Niederlande, um 1668 (Köln, Wallraf-Richartz-Museum + Fondation Corboud, Dep. 0833. (Foto: © Rheinisches Bildarchiv Köln, Mennicken, Marion, rba_c019120)

Kooikerhondje: Ein kleiner Exkurs zur niederländischen Genremalerei

Peter Rockenbach

Sind sie einem erst mal aufgefallen, so findet man sie immer wieder in vielen Genredarstellungen des 16. und 17. Jahrhunderts der Niederlande.
Aber was sehen, was finden wir?

Es ist ein kleiner Hund, mit braun-weiß geschecktem, langhaarigem Fell, der sich meist wie selbstverständlich  mit den weiteren Protagonisten auf dem Gemälde präsentiert. Sein Selbstbewusstsein erscheint verständlich, denn großartige Künstler wie Pieter de Hooch, Jan Steen, Frans Floris und andere mehr haben diesen kleinen Gesellen auf vielen ihrer Werke dargestellt.

Ochtervelt, Jacob, Die Tric-Trac-Spieler / Mandolinenspielerin und brettspielende Männer, Öl & Leinwand, um 1665/1670 (Köln, Wallraf-Richartz-Museum + Fondation Corboud, WRM 2968. (Foto: © Rheinisches Bildarchiv Köln, Zimmermann, Rolf, rba_c011282)

Ein im Wallarf ausgestelltes Gemälde des Künstlers zeigt diesen Hund auch als Zuschauer bei einem Trick-Track-Spiel, ein anderes zeigt ihn als lauschenden Zuhörer bei einem Trinkspruch.

Schauen wir uns die Hunde genauer an, werden wir feststellen, dass es sich stets um dieselbe Rasse handelt, es sind Nederlandse Kooikerhondje, kurz auch „Kooiker“ genannt.   Ihren Namen haben sie von speziellen Fanganlagen bei der Entenjagd, den sognannten Entenkooien erhalten.
Doch nicht nur wegen ihrer besonderen Fähigkeiten bei der Entenjagd, bei der sie als „Lockvogel“ eingesetzt wurden, sondern auch als Familienhunde waren sie auf Grund ihrer Intelligenz, ihrer Treue, ihrer Wachsamkeit und ihres ausgeglichen Wesens  in der damaligen Zeit hoch geschätzt.

Erklärt sich damit schon deren Anwesenheit auf den Bildern oder muss der Kunstwissenschaftler auch hier die Frage stellen „was will uns der Künstler mit seinem Werk sagen?“, „ist der Hund ein bedeutungsschweres Detail, welches dem kunstinteressierten Laien zum Verständnis des Gesamtwerkes näher erläutert werden sollte?“

Der Hund an sich ist in der Ikonographie schon gegensätzlich belegt; so sieht ihn beispielsweise das Lexikon der christlichen Ikonographie zum Einen als Sinnbild der Treue (Fides), zum Anderen als Verweis auf die Sünde, aber auch als Reittier des Neides (Invidia).

Die beiden Werke des Jacob Ochterfeld im Wallarf könnten im Hinblick auf den Hund negativ gedeutet werden, da es sich um Situationen des Glückspiels und des Trinkens handelt. Der arme Hund, er kann ja nichts dafür.

Ochtervelt, Jacob, Umtrunk, Öl & Leinwand, Niederlande, um 1668 (Köln, Wallraf-Richartz-Museum + Fondation Corboud, Dep. 0833. (Foto: © Rheinisches Bildarchiv Köln, Mennicken, Marion, rba_c019120)

Das bedeutet, um hier zu einer hoffentlich richtigen Einschätzung der Hundedarstellung zu gelangen, sind die speziellen Eigenschaften dieser Hunderasse, des Kooikerhondje, mit zu bedenken. Es ist ein Familienhund, dem in seinem „Hundesteckbrief“ neben den oben bereits genannten Eigenschaften die Charakterzüge zuverlässig, gelassen, aktiv, fröhlich und verspielt zugeschrieben werden; also ein wirklich liebenswerter Begleiter des Menschen, der hier durch seine offene Art in einem falschen Licht erscheinen könnte.

Das hohe Ansehen, das dieser Hund in der niederländischen Gesellschaft genoss und ihn auch zu einem Statussymbol werden ließ, mag noch folgendem  weiteren Umstand geschuldet sein;  der treueste Begleiter des Prinzen Wilhelm I. von Nassau-Dillenburg (1533-1584), dem “ Vater des Vaterlandes“ war ein Kooiker. Er soll nach dem gewaltsamen Tod seines Herrchens nicht mehr gegessen und getrunken haben und sei an Kummer gestorben. Auf Denkmälern in Dillenburg, in Den Haag und auf dem Prachtgrabmal  des Prinzen in der Nieuwe Kerk in Delft ist der Kooiker stets an seiner Seite.

Will man die niederländischen Genrebilder also etwas entspannter betrachten, so lässt sich auf die Worte des niederländischen Kulturhistorikers Johan Huizingas (1872-1945) verweisen, der in seinem Buch über die „Holländische Kultur des 17. Jahrhunderts“  den Umstand betont, dass einige Literaten in früheren Zeiten bereit waren, „uns hinter jedem Breughel, Jan Steen und Adriaan Brouwer die Tragik Dostojewskis zu enthüllen“. Darum sollte man berücksichtigen, dass Lebensumstände, die heute nahezu vergessen erscheinen – so der Kooiker in seiner Funktion als repräsentatives und beliebtes  Familienmitglied – auch in die darstellende Kunst vergangener Zeiten eingeflossen sind.

P.S.: Wer neugierig auf die Vorgehensweise bei dieser speziellen Entenjagd geworden ist, kann sich auf   der Insel Amrum bei der „Vogelkoje“, einer historischen Anlage aus dem 19. Jahrhundert,  schlauer machen. Allerdings haben die Inselbewohner nicht den Kooiker sondern gezähmte Enten eingesetzt.

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