Landschaften des Erhabenen und die Dingwelt des Gewöhnlichen: Die Malerei der amerikanischen Moderne in den zwanziger und dreißiger Jahren

Prof. Heinz Ickstadt

Vortrag anlässlich der Ausstellung „Es war einmal in Amerika“.
Ort: Stiftersaal im Wallraf

Der Versuch, die neuen Techniken der europäischen Moderne anzunehmen ohne zugleich die eigene spezifisch amerikanische Identität aufzugeben, ließ amerikanische Modernisten während der ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts – insbesondere die Maler des Alfred Stieglitz-Kreises – vergangene Denk- und Ausdrucksformen wieder entdecken. Die erhabenen Berg-, See- und Stadtlandschaften Marsden Hartleys oder John Marins setzen so mit neuen Ausdrucksmitteln die amerikanische Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts aus dem Geist transzendentalistischer Naturgläubigkeit fort. Ebenso wie im demokratischen Gegendiskurs einer Malerei des Gewöhnlichen – der Darstellung von Gegenständen eines neuen städtischen, industriellen und kommerziellen Alltags – vorausgegangene Formen gemalter Alltäglichkeit weiterleben. Die Kunst der amerikanischen Moderne entfaltet sich zwischen diesen beiden Polen und bewegt sich in den zwanziger und dreißiger Jahren von einer visionären Ästhetik des Sublimen zu einer Ästhetisierung der Erfahrungswelt.
Heinz Ickstadt ist Amerikanist und Literaturwissenschaftler und lehrte an der FU Berlin.